Das gegenwärtige, erfahrbare spirituelle Reich Gottes
Januar 26
Zwischenstopp:
In den vorangegangenen Blogs habe ich viele Sichtweisen infrage gestellt und tragfähige biblische Alternativen angeboten. An dieser Stelle zeige ich ein paar Bibelstellen auf, die meine alternative Sichtweise unterstützen. Ich werde sie nur aufzeigen und kurz kommentieren. Ein vertieftes Verständnis der angesprochenen Themen kann ich nur in den Blogs geben, die noch folgen werden.
Das Reich Gottes gegenwärtig:
Darauf erwiderte Jesus: »Ich versichere dir, Nikodemus: Wer nicht neu[1] geboren wird, kann Gottes Reich nicht sehen und erleben.« (Johannes 3,3, Hoffnung für alle)
man wird auch nicht sagen: Siehe hier! Oder: Da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch. (Lukas 17,21, Luther 1912)
Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. (Römer 14,17, Luther 2017)
Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe (Kolosser 1,13, Schlachter 2000).
Wie zuvor erwähnt, was das Reich Gottes ist wird noch aufgezeigt. Mit diesen Bibelstellen mache ich deutlich, dass das Reich Gottes schon gegenwärtig ist. Vielen Christen geht es durch falsche Lehre, so wie der jüdischen Bevölkerung damals. Sie haben aus dem Alten Testament, bei den Propheten erkannt, dass ein königlicher Messias kommen sollte, übersahen jedoch, dass das Alte Testament auch einen leidenden Messias beschrieb. Dies war und ist einer der Gründe, warum damals sein Volk Jesus abgelehnt hat. Sie haben nicht erkannt, welche Stunde für sie geschlagen hat.
Christen machen also denselben Fehler, wenn sie das Reich Gottes in die Zukunft verschieben. Verantwortlich für diese falsche Vorstellung ist der Dispensationalismus, der behauptet: Weil Israel ihren König verworfen hat, hat sich das Reich Gottes in die Zukunft verschoben, bis die Juden Jesus als ihren Messias annehmen. Es genügt ein Bibeltext, um aufzuzeigen, dass diese Sichtweise nicht stimmen kann.
Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt. (Matthäus 21,43, Luther 2017)
Die obigen Bibelstellen zeigen uns, dass jeder von oben geborene Christ, das Reich Gottes sehen kann. Dass wir versetzt worden sind in das Reich seines Sohnes, und an die christliche Gemeinde in Rom schreibt Paulus, dass das Reich Gottes in Gerechtigkeit, Frieden und Freude besteht.
Findest du nicht auch, dass sich das ziemlich gegenwärtig anhört?
Es gibt jedoch ein Bibeltext, der hauptsächlich daran schuld ist, dass Christen dazu neigen, das Reich Gottes in die Zukunft zu verschieben. Werfen wir einen kurzen Blick darauf.
4–6 Denn es ist unmöglich, Menschen, die Gott einmal mit seinem Licht erfüllt hat und die ihm dann den Rücken kehren, dahin zu bringen, dass sie sich Gott wieder zuwenden. Sie haben doch schon die Gaben des Himmels gekostet und den Heiligen Geist empfangen. Sie haben erfahren, wie zuverlässig Gottes Wort ist, und haben schon die Kräfte der kommenden Welt gespürt. Und dann haben sie trotzdem Gott den Rücken gekehrt und haben damit den Sohn Gottes noch einmal ans Kreuz genagelt, sich selbst zum Gericht, und ihn öffentlich zum Gespött gemacht. (Hebräer 6,4–6, Gute Nachricht Bibel)
Dieser Text wird im traditionellen christlichen Mainstream folgend falsch ausgelegt:
Menschen, die mal Christen waren oder die (angeblich) gute Nachricht gehört und sich von Gott bewusst abgewendet haben, werden keine weitere Möglichkeit haben, zu Gott umzukehren. Denn sie haben die Kraft der kommenden Welt erfahren und trotzdem Gott den Rücken gekehrt. (bei dieser Aussage, denken traditionelle Christen an das zukünftige Reich Gottes, das nach der Trübsal und dem Tausendjährigen Reich kommen soll).
Mit diesem Text wird eine theologische Sichtweise begründet: Gottes Reich ist schon da und noch nicht!
Es wird damit behauptet, das man Vergebung schon erfahren hat und wenn man an Jesus festhält, dann für das zukünftige Reich Gottes gerettet wird. Diese theologische Aussage dient auch als Begründung, um zu erklären warum manche Christen einen erwarteten Segen nicht erfahren. Dabei übersieht man jedoch, dass mit dieser Begründung kein 100% Glaube aufgebaut werden kann, da man nie weiß wieviel vom Reich Gottes schon da ist. Sind es 40%, 60% oder 80%.
Die richtige Bedeutung des Bibeltextes - Kontext und Hörerbezug:
Nach alldem, was wir schon besprochen haben, müsstest du intuitiv feststellen, dass diese Auslegung nicht stimmen kann. Wir fragen wieder nach dem Hörerbezug. An wen ist dieser Brief geschrieben? An Juden und jüdische Christen. Was ist das Hauptthema des Hebräerbriefes? Er zeigt auf, dass Jesus viel größer als alle Propheten und Engel usw. ist und sein Werk alles vollendet hat. Der Brief zeigt auf, dass der alte Bund durch Jesus beendet wurde und am vergehen ist und der neue Bund gerade eingeführt wird.
Mit dieser Hintergrundinformation muss man den Text folgend lesen und auslegen. Der Begriff „Welt“ ist von den Übersetzern wieder aufgrund ihrer eigenen Theologie falsch gewählt worden.
Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet waren und geschmeckt haben die himmlische Gabe, und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes und geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters …Das Zeitalter des neuen Bundes ist gemeint. (https://www.bibelkommentare.de/bibel/elb_bk/hebraeer/6). In Wirklichkeit muss also mit „Zeitalter“ übersetzt werden. Der Autor des Hebräerbriefes lädt seine jüdische Volksgruppe ein, an Jesus zu glauben. Denn sie haben zu ihren Lebzeiten erlebt, wie Menschen vollständige Vergebung und Befreiung von der Macht der Sünde, Heilungen usw. erfahren haben, dass heißt die Kräfte des zukünftige Zeitalter des neuen Bundes, das Reich Gottes, in dem wir gerade leben, und sie Leben inmitten des Übergangs zwischen den alten und neuen Bund. Aber aus Angst vor Verfolgung durch ihre jüdischen Volksgenossen haben sie die Offenbarung abgelehnt und Gott den Rücken gekehrt. Das heißt die Juden die, die gute Botschaft von Jesus und den neuen Bund gehört haben, haben sich entschieden diese Wahrheit für sich abzulehnen. Solchen Juden war dann natürlich nicht mehr zu helfen, wenn man bewusst und willentlich die Wahrheit ablehnt. Es geht also nicht darum, wo diese Menschen die Ewigkeit verbringen werden, oder das wir als Christen vom Glauben abfallen könnten. Und er ist auch kein biblischer Beweis dafür, dass das Reich Gottes noch nicht da ist.
Es ist schon krass, wie falsch verstandene und ausgelegte Bibeltexte uns Angst machen können und uns die Möglichkeiten rauben, als Christen in dem zu leben, was Gott uns durch Jesus Christus am Kreuz teuer erkauft hat. Und das geschieht alles nur, weil man den Kontext, den Hörerbezug, nicht beachtet und dazu noch seine eigene Theologie in den Text einträgt.

Gottes Ziel ist es nicht uns so schnell wie möglich von der Erde zu entrücken, sondern er möchte das sein Reich der Liebe, sein Königreich sich auf die ganze Welt ausbreitet.
Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. (Johannes 17,14-20)
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Bitte beachte die Richtung des Gebets. Der Himmel soll auf die Erde kommen.
Wie das Wasser die Meere füllt, so wird die Erde einmal erfüllt sein von der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN. Habakuk 2,14
Das ist Gottes Ziel!
Die populäre Sichtweise nimmt das geistliche, gegenwärtige Reich Gottes nicht wahr und versteht auch nicht das Ziel Gottes mit dieser Erde.

Manuel