Das vollendete Werk am Kreuz/ Teil 1
Ich hoffe, du bist so mutig und wissbegierig, dass du bis jetzt dabei geblieben bist. Ich bitte dich, daran zu denken, dass alles, was ich schreibe, ein Ziel hat. Wir sollen den Gott der bedingungslosen Liebe kennen und lieben lernen. Es geht mir deshalb nicht um Besserwisserei, sondern schlicht darum, Lehren infrage zu stellen, die es verhindern, den Gott der bedingungslosen Liebe innig zu kennen.
Heute schreibe ich über ein Thema, bei dem Christen schnell dazu geneigt sein könnten, abzuwinken und zu erklären, dass sie bereits wissen, warum Jesus am Kreuz gestorben ist. Damit dies mit dir nicht geschieht, lass mich dir fünf Fragen stellen.
- Mit welcher Motivation werden Menschen Christen, wenn man ihnen sagt: Du musst an Jesus glauben, sonst kommst du in die Hölle? Ist es Angst oder Liebe?
- In der Geschichte vom verlorenen Sohn wird Gott von Jesus als liebender Vater dargestellt. Warum liegt bei der traditionellen Verkündigung der Schwerpunkt auf Gott als gerechten Richter?
- Ist dir bewusst, dass es vier verschiedene Theorien im Christentum gibt, um zu erklären, was am Kreuz geschah?
- Ist dir bekannt, dass die Theorie der stellvertretenden Bestrafung erst 1000 Jahre nach Christus entstanden ist, woran das heutige Mainstream-Christentum unhinterfragt glaubt?
- Weißt du, dass heidnische Gottheiten ein Opfer verlangten, um ihren Zorn zu besänftigen?
Ich hoffe, mit diesen fünf Fragen, habe ich deine Aufmerksamkeit, um einen intensiven Blick darauf zu werfen, was am Kreuz geschah.
Warum sollte mich das alles interessieren?
Lass dich nicht täuschen, indem du glauben könntest, dass es sich um ermüdendes, theologisches, langweiliges Geschwafel handelt. Die Frage: Wer hat Jesus getötet? Und warum musste Jesus sterben? Beeinflusst das Wesen deines Glaubens und deine Wahrnehmung von Gott. Diese Fragen prägen deine christliche Weltanschauung. Es ist die Linse, durch die du Gott, Menschen, das Leben und dich selbst wahrnimmst. Es gibt keinen Weg daran vorbei. Wie du verstehst, was am Kreuz vorgefallen ist, beeinflusst direkt deinen Glauben daran, wer Gott ist. Ein liebevoller und mitfühlender Vater oder ein wütendes, hasserfülltes moralisches Monster.
Dein Gottesbild, prägt immer dein Selbstbild und dein Verhalten
4 Sichtweisen auf die Erlösung am Kreuz

Anfragen an die Theorie der stellvertretenden Bestrafung
Diese Theorie wird als Strafe und Missbrauch angesehen, die von Gott an Jesus verhängt wurde. Die stellvertretende Bestrafung ist die gewalttätigste, gnadenloseste und brutalste aller Theorien über die Versöhnung. Diese Theorie, die meiner Meinung nach Gott und die Versöhnung am Kreuz falsch darstellt, ist die mit dem größten Einfluss im christlichen Mainstream. Fast alle konservativen Gruppierungen vertreten, wieder ungeprüft, diese sehr junge Ansicht über die Versöhnung am Kreuz.
Kritik an der Lehre der stellvertretenden Strafe
Die problematische Vater-Sohn-Beziehung
Diese Lehre stellt einen Gott dar, der die Tötung und Folterung seines Sohnes verlangt, damit er (aus Liebe) vergeben kann. Das erzeugt ein Bild, als wären der Vater und der Sohn uneins. Der Vater zornig und gewalttätig, der Sohn voller Liebe und Mitgefühl.
Ethische Bedenken
Die moralischen Implikationen, dass der Unschuldige bestraft werden muss, um die Schuldigen zu entlasten, sind nach unserem Gerechtigkeitsempfinden zutiefst beunruhigend. Wenn etwa ein Richter einen gesetzestreuen Bürger für die Verbrechen eines Kriminellen bestrafen würde. Wäre die Öffentlichkeit empört?
Das Paradox der Vergebung
Vergebung ist ein Akt der Gnade, der jemanden von seiner Schuld befreit. Nach dieser Theorie ist dies jedoch nur durch die Verübung von Strafen möglich. Das widerspricht dem Wesen der Vergebung, denn Vergebung ist nicht die Erfüllung von Vergeltung.
Ein falscher Fokus
Die Botschaft der Liebe und Auferstehung wird von dieser Theorie überschattet, da ihr Fokus auf der Sünde und Strafe liegt. Der Schwerpunkt verlagert sich von einer Beziehung zu Gott, hin zu einer transaktionalen Sicht auf Gott und die Erlösung.
Unverhältnismäßige Bestrafung
Die Theorie kämpft darum, das ethische Dilemma der ewigen Bestrafung für geringfügige Sünden anzugehen. Selbst im Alten Testament fordert das Wort Gottes die richtige Verhältnismäßigkeit (Auge um Auge, Zahn um Zahn).
Die Befürwortung von Gewalt
In dieser Theorie wird Gewalt für die Erlösung notwendig. Diese Sichtweise widerspricht den Lehren Jesu, der Liebe, Vergebung und Frieden predigte.
Beschränkte göttliche Liebe
Die Darstellung Gottes als Richter in dieser Theorie, die Vergeltung über Barmherzigkeit stellt, verschleiert die bedingungslose Natur göttlicher Liebe und verwandelt den Gläubigen in einen hartherzigen, religiösen Legalisten.
Historische und biblische Unstimmigkeiten
Diese Theorie ist eine relativ moderne Entwicklung der christlichen Theologie. Sie weicht von jüdischen und frühchristlichen Vorstellungen von der Erlösung ab.
Angst als Motivation
Angst als Motivation ist sehr schädlich für gesundes emotionales, mentales und spirituelles Wachstum. Die Bibel zeigt auf, dass in der Liebe keine Furcht ist. Dieser Widerspruch verdeutlicht die Unvereinbarkeit einer in Angst verwurzelten Erzählung über die Erlösung am Kreuz und der biblischen Erlösung durch einen Gott, der die bedingungslose Liebe verkörpert.
Heidnischer Einfluss
Das Konzept einer zornigen Gottheit, die verlangt, ein unschuldiges Opfer zu foltern und zu töten, um ihren Zorn zu lindern, ist ein altes heidnisches Konzept.
Alle diese Punkte sollten dazu führen, unsere Ansichten über die Erlösung am Kreuz noch einmal ernsthaft zu überdenken.
Manuel