Das vollendete Werk am Kreuz/ Teil 9
Jesaja 53,10
Wie kann die bisher dargestellte Sicht richtig sein, wenn es doch einen ganz klaren biblischen Text gibt, der die stellvertretende Strafe beschreibt?
Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird ⟨seine⟩ Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Um der Mühsal seiner Seele willen wird er ⟨Licht⟩ sehen, er wird sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen. Darum werde ich ihm Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan. Jesaja 53, 10-12
Mit diesem halben Bibelvers wird die komplette Theologie der stellvertretenden Strafe begründet. Zieht man diesen Vers aus dem Kontext und unternimmt keine ernsthafte Prüfung, dann kann dieser Bibelvers für diese Theorie missbraucht werden.
Da ich davon überzeugt bin, dass diese Lehre nicht mit dem biblischen Zeugnis und Evangelium übereinstimmt, werden wir ihn nun unter die Lupe nehmen.
Da die Bibel sich nie widerspricht, werden wir uns erst dem Gesamtkontext der Bibel zuwenden und uns die Frage stellen: Wer hat Jesus getötet oder verletzt? Laut 1. Mose 3,15 soll es Satan, die Schlange, sein, die ihm die Ferse verletzt, und nicht Gott.
Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. 1. Mose 3,15
Gleich am Anfang der Bibel wird uns also berichtet, dass der Teufel Jesus verletzen wird. Damit Satan dieses böses Vorhaben, auf dieser Erde ausführen konnte, brauchte er Menschen, wie wir schon in vorhergehenden Blogs erfahren haben. Genau das wird im Neuen Testament beschrieben. Es war Judas, der ihn verriet, und die religiösen Leiter wollten seinen Tod, den sie dann mithilfe der damaligen politischen römischen Macht durchsetzen konnten.
Evangelien
Ihr seid Kinder des Teufels, der ist euer Vater, und ihr wollt nur ausführen, wonach ihm der Sinn steht. Er ist von Anfang an ein Mörder gewesen und hat niemals etwas mit der Wahrheit zu tun gehabt, weil es in ihm keine Wahrheit gibt. Wenn er lügt, so entspricht das seinem Wesen; denn er ist ein Lügner und alle Lüge stammt von ihm. Johannes 8,44
Es fuhr aber der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte. Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten darüber, wie er ihnen Jesus überantworten könnte. Und sie wurden froh und kamen überein, ihm Geld zu geben. Und er sagte es zu und suchte eine Gelegenheit, dass er ihn an sie ausliefere ohne Aufsehen. Lukas 22,3-6
Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die zu ihm hergekommen waren: Ihr seid wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen ausgezogen? Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und ihr habt nicht Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis. Lukas 22,51-53
Sie ergriffen ihn aber und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Lukas 22,54
Die Männer aber, die Jesus gefangen hielten, verspotteten ihn und schlugen ihn, verdeckten sein Angesicht und fragten: Weissage, wer ist’s, der dich schlug? Und viele andere Lästerungen sagten sie gegen ihn. Lukas 22,63-64
Und die ganze Versammlung stand auf, und sie führten ihn vor Pilatus und fingen an, ihn zu verklagen, und sprachen: Lukas 23,1-2
Als aber Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mensch aus Galiläa wäre. Und als er vernahm, dass er unter die Herrschaft des Herodes gehörte, sandte er ihn zu Herodes, der in diesen Tagen auch in Jerusalem war. Lukas 23,6-7
An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; denn vorher waren sie einander feind. Lukas 23,12
Herodes auch nicht verurteilt, denn er hat ihn uns zurückgesandt. Und siehe, er hat nichts getan, was den Tod verdient. Darum will ich ihn züchtigen lassen und losgeben. Da schrien sie alle miteinander: Hinweg mit diesem! Gib uns Barabbas los! Der war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen war, und wegen eines Mordes ins Gefängnis geworfen worden. Da redete Pilatus abermals auf sie ein, weil er Jesus losgeben wollte. Sie riefen aber: Kreuzige, kreuzige ihn! Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen: Was hat denn dieser Böses getan? Ich habe keine Schuld an ihm gefunden, die den Tod verdient; darum will ich ihn züchtigen lassen und losgeben. Aber sie setzten ihm zu mit großem Geschrei und forderten, dass er gekreuzigt würde. Und ihr Geschrei nahm überhand. Und Pilatus urteilte, dass ihre Bitte erfüllt würde, und ließ den los, der wegen Aufruhr und Mord ins Gefängnis geworfen war, um welchen sie baten; aber Jesus übergab er ihrem Willen. Lukas 23,15-24
Apostelgeschichte
aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten; dessen sind wir Zeugen sind. Apostelgeschichte 3,15
so sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kundgetan: Im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch. Apostelgeschichte 4,10
Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt. Apostelgeschichte 5,30
Im Wesentlichen schreiben die Autoren des Neuen Testaments, dass die Menschen für den Tod Jesu verantwortlich sind und Gott ihn als den Unschuldigen durch die Auferstehung gerechtfertigt hat. Keiner der Apostel lehrte, dass der Vater den Sohn getötet hat. Die Kreuzigung Christi geschah im Rahmen des freien menschlichen Willens, der sich unter der Vorsehung Gottes, vom Teufel zum Mord an dem Messias anstiften ließ.
Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst,
diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Ungerechten ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Den hat Gott auferweckt und hat ihn befreit aus den Wehen des Todes, denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde. Apostelgeschichte 2,23-24
Briefe
Im 1. Petrus 2,23-25 nimmt Petrus Bezug auf die Kreuzigung Jesu, um es für uns als Vorbild in die Praxis anzuwenden. Es findet sich kein Hinweis darauf, das Gott Jesus zerschlagen hat, sondern es wird beschrieben, wie Jesus mit dem Guten das Böse besiegte und das Gott ihn nicht zerschlagen hat, sondern gerecht richtete, indem er ihn aus dem Toten auferweckt hat.
Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den gütigen und freundlichen, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, wenn jemand um des Gewissens willen vor Gott Übel erträgt und Unrecht leidet. Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr für Missetaten Schläge erduldet? Aber wenn ihr leidet und duldet, weil ihr das Gute tut, ist dies Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.
Im Licht des gesamtbiblischen Zeugnisses können die Übersetzung und die Vorstellung von Jesaja 53 nicht wahr sein, dass es Gott gefiel, Jesus zu zerschlagen.
Nachdem wir uns einige Aussagen zur Kreuzigung Jesu in der Bibel angeschaut haben, können wir uns in aller Kürze dem halben Bibelvers zuwenden.
Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen.
Es muss danach gefragt werden, wie die ursprünglichen Leser den hebräischen Text verstanden. Das Wort „zerschlagen“ ist Daka und wird an anderen Stellen in der Bibel mit „demütigen“ übersetzt.
Bis auf diesen Tag haben sie sich[1] nicht gedemütigt[2], und sie haben sich nicht gefürchtet und haben nicht in meinem Gesetz gelebt[3] und in meinen Ordnungen, die ich euch und euren Vätern vorgelegt habe. Jeremia 44,10
(2) w. sind sie nicht zerschlagen o. zerknirscht
Aus diesem Grund muss eigentlich folgend übersetzt werden: Doch dem Herrn gefiel es, ihn zu demütigen.
In diesem Licht sollte „Daka“, als Gottes Wunsch verstanden werden, dass Jesus demütig ist, obwohl er zu Unrecht leidet. Das hatte zwei Gründe: Zum einen zeigt sich dadurch auf unnachahmliche Weise der Charakter Gottes, seine bedingungslose Liebe. Das ist die Herrlichkeit, die wir am Kreuz sehen sollen.
Der gekreuzigte Gott – ist der Gott der bedingungslosen Liebe.
den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. 2. Korinther 4,4-6
Zum anderen war es notwendig, dass Jesus sich für unsere Erlösung völlig selbstlos opferte. Es war für Gott eine Freude, weil das brutale Kreuz das Mittel war, um seinen wunderbaren Charakter zu zeigen und unser Herz zu gewinnen, damit wir als seine geliebten Söhne und Töchter in seine offenen Arme rennen.
Ist euch Gottes unendlich reiche Güte, Geduld und Treue denn so wenig wert? Seht ihr denn nicht, dass gerade diese Güte euch zur Umkehr bewegen will? Römer 2,4
Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Philipper 2,5-9
Philipper 2,5–11 bringt es auf den Punkt, was wir am Kreuz sehen sollen. Gehorsame, demütige, selbstlose Liebe bis zum Tod. In diesem Sinne war es Gottes Wille, dass er durch seine eigene freiwillige Unterwerfung gedemütigt wurde, nicht durch göttlichen Zorn zerquetscht, sondern durch sein selbstloses Opfer am Kreuz Gottes Charakter zu zeigen und uns Menschen zu erlösen.
Darum heißt es: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
Manuel