Das falsche Evangelium: Gesetz vs. Gnade
5. Januar 2026/ Teil 3
Nachdem wir nun ein wichtiges und richtiges Fundament für das richtige Verständnis des Wortes Gottes gelegt haben, gehen wir jetzt ein wenig in die Tiefe und in die Praxis.
Aufgrund dieser biblischen Realität muss man darauf achten, wie man die Evangelien liest. Jesus selbst wurde noch unter dem alten Bund, dem Gesetz Mose, geboren, um alle vom Gesetz und alten Bund zu erlösen.
Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. (Galater 4,4)
Demzufolge redet Jesus in den Evangelien sehr unterschiedlich mit den verschiedenen Menschen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten frustrierte er mit dem Gesetz und den Sündern zeigte er Gnade.
Ein klassisches Beispiel dafür ist, die ehebrecherische Frau.
Gesetz
Da brachten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau zu ihm, die beim Ehebruch ergriffen worden war, stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist während der Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Im Gesetz hat uns Mose geboten, dass solche gesteinigt werden sollen. Was sagst nun du? Das sagten sie aber, um ihn zu versuchen, damit sie ihn anklagen könnten. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. („Es wird zwar nicht berichtet, was er auf den Boden geschrieben hat, aber ich gehe davon aus, dass er ihnen die wahre Bedeutung des Gesetzes vor Augen geführt hat, wie er es in der Bergpredigt getan hat: Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen.“ Weil uns der Text sagt, dass sie durch ihr Gewissen überführt worden sind.) Als sie aber das hörten, gingen sie – von ihrem Gewissen überführt – einer nach dem anderen hinaus, angefangen von den Ältesten bis zu den Geringsten; und Jesus wurde allein gelassen, und die Frau, die in der Mitte stand.
Gnade
Da richtete sich Jesus auf, und da er niemand sah als die Frau, sprach er zu ihr: Frau, wo sind jene, deine Ankläger? Hat dich niemand verurteilt? Sie sprach: Niemand, Herr! Jesus sprach zu ihr: So verurteile ich dich auch nicht. Geh hin und sündige nicht mehr!
In dieser Bibelstelle sieht man hervorragend, wie Jesus in der Übergangszeit zwischen dem alten Bund mit Mose, dem Gesetz, und dem Neuen Bund der Gnade handelt und redet. Beachtet man dieses wichtige Prinzip in den Evangelien nicht, dann werden viele Stellen falsch ausgelegt und angewandt.
Was diese Erzählung auch aufzeigt und was wir uns kurz anschauen werden, ist, wie Menschen unter dem Gesetz denken und sich verhalten und wie Menschen unter der Gnade sich verhalten und reden.
Die Gesetzeslehrer stehen unter einem religiösen Geist durch das Gesetz.
Es machte ihr Herz hartherzig. Im Text sehen wir, dass es ihnen überhaupt nicht um die Frau geht, sondern sie wollten einen Fall konstruieren, damit sie Jesus anklagen können. Sie wollten also die Frau und Jesus anklagen und verurteilen. Und wenn möglich die Frau zu Tode steinigen.
Wie reagierte dagegen der Gnadenprediger? Er schlägt die Religiösen mit seiner eigenen Waffe, dem Gesetz. Er zeigt ihnen auf, dass kein Mensch in der Lage ist, das Gesetz zu halten, und zerstört damit ihre Selbstgerechtigkeit. Der Frau begegnet er mit Vergebung. Aufgrund dieser erfahrenen Liebe wird sie befähigt, zukünftig anders zu leben.
Da wir die Theologie des neuen Bundes auf die Evangelien angewandt haben, kommen wir nun zu einem enormen Problem im heutigen Mainstream-Christentum. Da die wenigsten westlichen Gemeinden diese dargestellte Auslegung der Bibel kennen, wird sie auch nicht angewandt, haben wir es in den meisten Gemeinden mit einer Abweichung vom Evangelium zu tun.
Paulus spricht diese Realität im Galaterbrief an:
Mich wundert, dass ihr euch so schnell abwenden lasst von dem, der euch durch die Gnade des Christus berufen hat, zu einem anderen Evangelium, während es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium von Christus verdrehen wollen. (Galater 1,6)
Grafische Darstellung von der Abweichung vom Evangelium der Gnade

Wie ich dir anhand dieser Grafik deutlich mache, handelt es sich um eine Vermischung zwischen dem alten und dem neuen Bund. Zwischen dem Gesetz Mose und der Gnade Jesu Christi. Das Gesetz Mose bzw. der alte Bund wurde mit Israel geschlossen. Der neue Bund wurde für alle Menschen bzw. Christen geschlossen, und sie haben deshalb mit dem alten Bund nichts zu tun, den Gott beseitigt hat.
Das falsche Evangelium:
Jesus + das Gesetz (Gesetz Mose/Sinai-Bund/alter Bund)
Evangelium + das Gesetz = Gesetz
Gnade + deine Leistung
Das wahre Evangelium dreht sich nur um Jesus und seine Gnade, die du im Glauben empfangen kannst. Alles im Evangelium ist ein Geschenk. Dieses Evangelium führt dazu, dass einerseits die Menschen befähigt sind, für Gott zu leben, und andererseits kein Stück Selbstgerechtigkeit im Herzen vorhanden ist, weil diesen Menschen klar ist, dass sie sich weder selbst retten noch verbessern können. Das führt zu einem demütigen und liebevollen Leben, im Gegensatz zu einem selbstgerechten, stolzen religiösen Leben, das davon geprägt ist, andere Menschen ständig beurteilen, anklagen und verurteilen zu müssen.
Wer das nicht versteht und diese beiden Bündnisse vermischt, macht sich vor Gott schuldig, ein falsches Evangelium zu verkündigen. Das bedeutet nicht, dass Gott diesen Menschen nicht bedingungslos liebt, aber die Verkündigung und Lehren haben auf das Leben der Gläubigen eine sehr negative Auswirkung. Christen werden dann die bedingungslose Liebe Gottes nicht erfahren. Keine Freiheit von der Macht der Sünde erleben und nicht den Segen ergreifen können, den Jesus Christus am Kreuz für uns schon erkauft hat.
Dass dies der Hintergrund des Galaterbriefes ist, sieht man daran, welche Inhalte er anspricht.
Aber nicht einmal mein Begleiter Titus, obwohl er ein Grieche ist, wurde gezwungen, sich bescheiden zu lassen. Was aber die eingeschlichenen falschen Brüder betrifft, die sich hereingedrängt hatten, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in Christus Jesus haben, damit sie uns unterjochen könnten – denen gaben wir auch nicht eine Stunde nach, dass wir uns ihnen unterworfen hätten, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe. (Galater 2,3–5)
Ich bezeuge nochmals jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er verpflichtet ist, das ganze Gesetz zu halten. (Galater 5,3).
Der Konflikt besteht darin, dass Juden oder bekehrte ehemalige Juden versuchten, die Christen wieder unter den alten Bund zu bringen, indem sie sich bescheiden lassen sollen. Die Beschneidung steht für den alten Bund, da man durch die Beschneidung damals zum Ausdruck gebracht hat, dass man sich dem alten Bund unterordnet.
Denselben Fehler begehen Gemeinden, wenn sie ihre Mitglieder lehren, dass wir als Christen Inhalte aus dem alten Bund halten müssen. Diese Vorgehensweise verwässert das Evangelium und macht seine Kraft zunichte und macht eine Gemeinde gesetzlich, wo es nur darum geht, was du anziehen, welchen Tag du halten sollst, wie viel Geld du geben sollst usw.
Der Apostel Paulus hat diesen falschen Lehrern immer widerstanden und ihnen nicht nachgegeben. Er versuchte mit seinem Brief die Gemeinde in Galatien zu korrigieren. Er hat dafür viel Leid ertragen müssen, um das Evangelium für uns unverfälscht weiterzugeben.
Ich hatte auch versucht, meine Gemeinden, die vom Evangelium abwichen, zu korrigieren, aber das hat mir meinen Job gekostet. Die Ironie der ganzen Geschichte ist, dass man, wenn man heute Christen darauf aufmerksam macht, dass in den Gemeinden ein falsches Evangelium verkündigt wird, nur ein beiläufiges Achselzucken bekommt, und die unverständigen Prediger machen mit ihrer falschen Verkündigung weiter. Ich hoffe, dass sich dies in nächster Zukunft ändern wird und die Gemeinden das wahre Evangelium immer mehr erkennen.
Manuel