
Römische Gerechtigkeit vs. hebräische Gerechtigkeit
Mann, der zu Justizwaagen aufblickt freepik, Diese Ressource wurde mit KI erstellt.
Justitia – (Auge um Auge) das gängige moderne Verständnis von Gerechtigkeit.
Justitia, die Dame mit der Waage, war die römische Göttin der Gerechtigkeit.
Diese Gerechtigkeit steht für Objektivität und unparteiisches Urteilen. Ihre Gerechtigkeit ist vergeltend (Auge um Auge), strafend (im Gegensatz zur Barmherzigkeit) und kalt. Justitia ist stark von Aristoteles beeinflusst, der Gerechtigkeit von Freundlichkeit trennte und forderte, dass Richter keine Gefühle haben dürfen. Dieses menschliche Verständnis von Gerechtigkeit ist jedoch weit von der hebräischen Vorstellung von Gerechtigkeit entfernt. Diese Auffassung von Gerechtigkeit steht in der Tat im Gegensatz zur Liebe.
Das traditionelle Verständnis von Gerechtigkeit (Justitia) beraubt Gott seiner Herrlichkeit und setzt ihn mit allen Tyrannen der Geschichte und allen anderen Gottheiten gleich, die hassen und ihre Feinde rachsüchtig bestrafen.
Hebräische Gerechtigkeit – Liebe deine Feinde
Ein Blick auf das Alte Testament, Jesus und Paulus wird deutlich machen, dass Gottes Gerechtigkeit ihrem Wesen nach wiederherstellend ist und Gottes Wesen der Liebe entspricht.
Barmherzig und gnädig ist der Herr, er gerät nicht schnell in Zorn, sondern ist reich an Gnade. 9
Nicht für immer wird er uns anklagen, noch wird er ewig zornig auf uns sein. 10 Er handelt an uns nicht so, wie wir es wegen unserer Sünden verdient hätten, er vergilt uns nicht nach unseren Vergehen.
Psalm 103,8-10
In diesem Psalm wird aufgezeigt, dass Gott nicht schnell zum Zorn ist, sondern reich an Gnade, indem er uns nicht für immer anklagt oder uns nach unseren Sünden und Vergehen behandelt. Mit diesem Psalm wird schon im Alten Testament aufgezeigt, dass Gott nicht auf Vergeltung aus ist, obwohl es im Alten Testament oftmals so wirkt. Das hat mehrere Gründe, worauf ich in einem weiteren Blogeintrag eingehen werde.
Jesus
Der beste Weg, um zu lernen, wie Gottes Gerechtigkeit aussieht, ist, auf Jesus zu schauen. Er stellte
Barmherzigkeit und Liebe über das strenge Befolgen des Gesetzes. Er konzentrierte sich auf die Wiederherstellung der Menschen und nicht auf den Ausgleich von Schulden. Seine Gerechtigkeit war wiederherstellend und nicht vergeltend. Seine wiederherstellende Gerechtigkeit machte viele religiöse Menschen wütend, denn sie glaubten an Justitia, die vergeltende Gerechtigkeit. Sie stellten das Gesetz über die Liebe und sehnten sich nach Gottes rachsüchtigem Zorn. Doch Jesus vergab immer wieder Sündern, ohne sie zu bestrafen: dem Gelähmten (Markus 2,5), der Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde (Johannes 8,1–11), Zachäus (Lukas 19,1–10) und der sündigen Frau (Lukas 7,47). Indem er ihnen vergab, heilte er sie tief innen drin und veränderte ihr Leben. Jesus vergab ihnen, ohne vorher ein Opfer zu verlangen oder sie zu bestrafen, damit die Anforderungen der Gerechtigkeit erfüllt werden können.
Jesus schaffte die vergeltende Gerechtigkeit (Auge um Auge) ab und ersetzte sie durch die wiederherstellende Gerechtigkeit (Liebe deine Feinde) (Mt. 5, 38–48). Er war die Verkörperung einer Liebe, die die Feinde umarmt und von Gewalt absieht.
Zusammenfassung: Jesus hat das Gesetz erfüllt, indem er „das System der vergeltenden Gerechtigkeit, das im Gesetz verankert war, beendet und durch den überlegenen und neuen Weg der wiederherstellenden Gerechtigkeit Gottes ersetzt hat, die in der Feindesliebe verwurzelt ist und die Jesus durch seine Lehre und sein Leben demonstriert hat“.
Paulus
Paulus glaubte früher an eine vergeltende Gerechtigkeit. Paulus hatte das Alte Testament gelesen und kam dadurch zu dem Schluss, dass er im Namen Gottes Gewalt anwenden sollte. Er war davon überzeugt, dass Gerechtigkeit durch Strafe entsteht, und sah sich selbst als Vertreter dieser Gerechtigkeit. Nach seiner Begegnung mit Christus auf der Straße nach Damaskus veränderte Paulus radikal seine Sichtweise. Durch die Begegnung mit dem lebendigen Gott der bedingungslosen Liebe erkannte er, dass Gottes Gerechtigkeit keine vergeltende Gerechtigkeit ist, sondern eine wiederherstellende Gerechtigkeit in Christus ist.
In seinem Brief an die Römer stellt Paulus zwei Systeme der Gerechtigkeit gegenüber: das Gesetz und Gottes Gerechtigkeit. Das Gesetz basiert auf einer strafenden Gerechtigkeit und führt zu Belohnungen und Strafen, Segen und Fluch, je nach unserem Handeln. Gottes Gerechtigkeit wird im Römerbrief unabhängig vom Gesetz offenbart (Römer 3,21). Gottes Gerechtigkeit wird nicht im Gesetz offenbart, sondern im Evangelium (Römer 1,17). Das Evangelium ist das wiederherstellende Eingreifen Gottes in dieser Welt. Sein Heilshandeln, seine Gerechtigkeit, wird alles wieder in Ordnung bringen. Er repariert den Schaden, den wir Menschen verursacht haben (Römer 5,18–19). Das Evangelium beinhaltet, dass Gott den ganzen Kosmos vollständig versöhnen wird (2 Kor 5,19; Kol 1,19). Gottes Gerechtigkeit offenbart sich in seinem Akt der Versöhnung und Wiederherstellung und nicht im Gesetz, der vergeltenden Gerechtigkeit!
Wiederherstellende Gerechtigkeit ist nicht nur ein Thema in der Heiligen Schrift, sie ist der Kern des Evangeliums.
Manuel