20. Januar 26/Teil E
Jesus wurde am Kreuz das Lamm Gottes, das die Sünden dieser Welt wegnimmt. War Jesus buchstäblich ein Lamm? Offensichtlich nicht. Das Lamm ist ein symbolisches Bild, das etwas Tieferes ausdrücken soll. Im Judentum wurden Lämmer mit dem Opfer assoziiert, besonders während des Passahfestes. Es symbolisiert göttliche Barmherzigkeit und Erlösung. Wenn Jesus als Lamm bezeichnet wird, ist das kein Ausdruck göttlicher Gewalt, sondern es ist im Wort Gottes ein Bild für willige Hingabe und Unschuld.
Das ist die Haltung Jesu. Er ertrug die Ungerechtigkeit des Kreuzes nicht, weil er machtlos war, sondern weil sein Verhalten göttliche Liebe war.
Aber beachte: Lämmer wurden nicht getötet, weil Gott Blut verlangte, sondern das Opfersystem ist der Versuch des Menschen, sein Gewissen zu beruhigen und Frieden mit Gott zu schließen.
Jesus tritt in dieses vorgegebene System ein, um es von innen zu transformieren. Das wahre Lamm kam nicht, um Opfer zu bringen, sondern um dieses System zu beenden, indem es zeigt, dass das einzig wahre Opfer, das Gott sich wünscht, die Liebe ist. Jesus ist nicht das wahre Lamm, weil Gott blutrünstig ist, sondern weil Gott selbst gebend ist.
In alten heidnischen Religionen wurden Opfer dargebracht, um wütende Götter zu besänftigen. Das Christentum hat durch die Lehre der stellvertretenden Bestrafung nachgeahmt. Die Lehre, dass Gott den Tod seines Sohnes verlangt, um zufrieden zu sein.
Aber das Evangelium stellt diese Vorstellung völlig auf den Kopf. Nicht Gott verlangte nach dem Tod Jesu. Das waren wir Menschen. Wir konnten durch unser schlechtes Gewissen nicht glauben, dass uns vergeben und wir akzeptiert sind, es sei denn, es wird Blut vergossen.
Gott trat in unser System und sprengte es mit seiner bedingungslosen Liebe und offenbarte die Wahrheit, dass er niemals unser Feind war.
Das Lamm lehrt uns auch, wie Liebe auf Feindschaft reagiert. Jesus war wie ein Lamm sanft, schweigend gegenüber den Anklägern und gewaltlos. Es nahm die Gewalt der Menschheit auf und verwandelte sie durch seine Auferstehung. Jesus, das Lamm, kam nicht, um das Opfern weiter fortzuführen, sondern uns davon zu befreien. Das letzte Opfer diente nicht dazu, Gottes Bedürfnis nach Rache zu befriedigen, sondern unserem Unglauben, dass Gott uns nicht liebt.
Seine gewaltlose Hingabe an uns entlarvt jedes falsche Bild, das wir von Gott haben, und lädt uns in die Realität seiner bedingungslosen Liebe ein. Wir brauchen keine Opfer mehr, sondern nur gesunde Theologie und den richtigen Glauben.
Der christliche Religionsgott vs. der offenbarte Gott der bedingungslosen Liebe
Religion hat uns gelehrt, dass Gott von uns beleidigt worden ist. Das Sünde uns nicht nur von ihm getrennt, sondern ihn auch erzürnte. Nach dieser Sichtweise erforderte die Sünde der Menschheit eine göttliche Rache, um Gottes heiligen Zorn zu besänftigen.
Warum kann diese Sichtweise laut Bibel nicht wahr sein? Weil Gott Liebe ist und Liebe sich nicht leicht provozieren lässt und auch keine Aufzeichnungen von Unrecht führt.
Die Liebe nimmt sich keine Freiheiten heraus, sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie lässt sich nicht zum Zorn reizen und trägt das Böse nicht nach. 1. Korinther 13,5
Wenn Liebe sich nicht zum Zorn reizen lässt und Gott Liebe ist, dann sei Gott nicht so auf uns zornig, wie ihn die christliche Religion darzustellen versucht. Das Kreuz war nicht Gott, der aus Zorn von Jesus abwandte, es war Jesus, der sich aus Liebe der Menschheit zuwandte. Das eigentliche Problem war unser falscher Glaube. Unsere Scham sagte uns, Gott könne uns nicht akzeptieren. Unsere Schuld stellte sich einen Abgrund vor, der nicht existierte. Genau wie Adam und Eva sind wir von einem Gott davongelaufen, der uns nie mit Zorn verfolgte, sondern immer mit Liebe uns nachjagte.
Gott war in Christus, als er durch ihn die Menschen mit sich versöhnte. Er rechnete ihnen ihre Verfehlungen nicht an und übergab uns die Botschaft der Versöhnung. 2. Korinther 5,19
Wenn Gott keine Sünden anrechnete, dann war er nicht beleidigt von ihnen. Er versöhnte uns nicht durch Rache, sondern durch Liebe. Gott sehnte sich immer nach Versöhnung und nach einer Beziehung zu uns. Die Wahrheit ist: Die Feindschaft lag nie bei Gott, sondern bei uns.
Das gilt auch für euch. Einst standet ihr Gott fremd und feindlich gegenüber und habt das durch eure bösen Taten gezeigt. Kolosser 1,21
Diese Gedanken mögen für dich revolutionär sein, ja sogar unangenehm wirken oder unglaublich klingen, aber Liebe stört immer eine angstbasierte Religion. Es reißt die Götzen des Zorns und ewigen Gerichts nieder, um den Vater der bedingungslosen Liebe bekannt zu machen.
Manuel