Keine Sintflut, dafür aber Feuergericht!?

10. Januar 26/Teil 9

Allein schon bei dieser Überschrift stellt man sich die Frage: Was soll dieser Blödsinn? Gehen wir wirklich davon aus, dass Gott so sarkastisch ist? Gott machte nach der Flut mit Noah extra einen Bund und sich die Mühe, diesen Bund am Himmel durch den Regenbogen sichtbar zu machen, dass es nie mehr eine Sintflut geben sollte, und dann geht er dazu über, die Welt mit einem Feuergericht vernichten zu wollen.

Diese Vorstellung machte auf mich noch nie viel Sinn, aber erst als ich die symbolische und apokalyptische Sprache der Bibel verstand, löste sich auch diese Vorstellung in Luft auf. Schauen wir es uns kurz genauer an.

5 Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort; 6 dadurch wurde damals die Welt in der Sintflut vernichtet. 7 So werden auch jetzt Himmel und Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. 8 Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. 9 Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. 10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden nicht mehr zu finden sein. 11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, 12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, wenn die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen? 13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. 14 Darum, ihr Lieben, während ihr darauf wartet, seid bemüht, dass ihr vor ihm unbefleckt und untadelig im Frieden gefunden werdet, 15 und erachtet die Geduld unseres Herrn für eure Rettung, wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat.

Nach alldem, was ich bis jetzt aufgezeigt habe, muss uns sofort die Frage nach dem Hörerbezug einfallen. Kann es sich bei dem Text wirklich um ein zukünftiges feuriges Weltgericht handeln? Es ist offensichtlich, dass so eine Information für die damaligen Hörer völlig irrelevant gewesen wäre. Zudem wird in Vers 14 gesagt: während ihr darauf wartet. Es geht also um ein Ereignis, das zu ihren Lebenszeiten eintreffen sollte.

Schon im Alten Testament wurde die drastische und apokalyptische Sprache verwendet. Lass mich dir ein Beispiel geben. In Jesaja 13:1-13 lesen wir schon einmal von der scheinbaren Zerstörung der ganzen Welt. Die Sprache ist von kosmischer Katastrophe durchdrungen. Es beschreibt den Zusammenbruch von Sonne, Mond und Sternen. Sonne, Mond und Sterne repräsentieren die Regierungsmächte des Tages, und ihr Ausbleichen und Herunterfallen beschreibt den Sturz dieser Regierung. In Vers 13 lesen wir: „Darum werde ich den Himmel erschüttern, und die Erde wird ihren Platz verlassen.“

Die Wahrheit ist, das ist apokalyptische Sprache. Es ist die Sprache der Propheten, die ein Bild im Herzen ihrer Hörer eine Welt zu schaffen, die auseinanderfällt.

Dennoch existierte die physische Welt immer noch. Damals wie auch heute und wird auch in Zukunft noch bestehen.

Um es kurz und knapp auf den Punkt zu bringen: Der Bibeltext handelt von der angekündigten Zerstörung Jerusalems und des Tempels, wie es von Jesus prophezeit worden ist. Die Hörer waren ehemalige Juden, die von ihren Volksgenossen verfolgt worden waren. Petrus machte seinen Mitchristen Mut, Jesus treu zu bleiben, nicht weil Gott das Gericht über den alten Bund nicht unnötig hinauszögert, sondern weil er als liebender Gott seinem abtrünnigen Volk noch Zeit zur Umkehr lassen wollte.

Manuel