Wiedersprüche in der Bibel? Das kann nicht sein!

10. Januar 26/ Teil 7

Heute wenden wir meine Ausführungen auf wichtige Bibeltexte an. Was in der Bibel wie ein Widerspruch aussieht, wird sich mit der richtigen Bibelauslegung völlig in Luft auflösen.

Evangelium:

Ich versichere euch: Nicht der kleinste Buchstabe im Gesetz Gottes – auch nicht ein Strichlein davon – wird je an Gültigkeit verlieren, solange Himmel und Erde bestehen. Alles muss sich erfüllen. (Matthäus 5,3).

Briefe:

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. (Galater 4,4–5)

Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt. (Römer 10,4)

Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade. (Römer 6,14)

Im Matthäusevangelium sagte Jesus, dass das Gesetz nicht aufgelöst wird, bis Himmel und Erde vergehen werden. Ich wusste jedoch, dass die neutestamentlichen Briefe ganz klar aufzeigten, dass Christen nicht unter dem Gesetz sind. Dieser angebliche Widerspruch hatte mich lange Zeit irritiert. Denn auch ich war von einer griechischen Denkweise beeinflusst und habe diesen Text wörtlich verstanden. Er bedeutete für mich ursprünglich, dass das Gesetz Mose solange bestehen bleibt, bis Himmel und Erde vergehen werden. Aber mit dieser Art der Bibelauslegung hatte ich weder den Hörerbezug, noch die hebräische Kultur und Sprache beachtet.

Ein genaueres Studium brachte die Lösung. Den Hörerbezug finden wir in Matthäus 5,1. Jesus sprach als Jude, zu einer jüdischen Volksmenge und seine jüdischen Jünger waren bei ihm. Aufgrund dieses Hörerbezugs habe ich mir die Frage gestellt, wie die Volksmenge und die Jünger Jesus verstanden.

Ich stellte mir die Frage, was Jesus mit der Aussage, bis „Himmel und Erde“ vergehen, meint. Verfolgt man diesen Begriff in der Bibel, stellt man fest, dass er an mehreren Stellen vorkommt. Wenn wir uns die Sprache genauer ansehen, die die Bibel an anderen Orten für Himmel und Erde verwendet, erkennt man, dass Gott mit diesem Begriffspaar den Bund mit seinem Volk als Himmel und Erde beschreibt. Es gibt hierfür mehrere Beispiele im Alten und Neuen Testament. Aus Platzgründen soll ein offensichtlicher Schriftbeweis aus dem Alten Testament genügen.

Beachte, wie Gott in Jesaja 51,15–16 zu Israel sprach: Ich bin ja der Herr, dein Gott, der das Meer aufwühlt, dass seine Wellen brausen: HERR der Heerscharen ist sein Name. Ich habe meine Worte in deinen Mund gelegt und dich mit dem Schatten meiner Hand bedeckt, um den Himmel auszuspannen und die Erde zu gründen und zu Zion zu sagen: „Du bist mein Volk!“

Wann hat Gott das Meer gespalten? Das war, als er Israel aus Ägypten führte. Wann bedeckte Gott jemanden mit dem Schatten seiner Hand? Das war ihr Vertreter Moses gewesen, als Gott ihn in der Felsspalte versteckte und ihn mit seiner Hand bedeckte, als seine Herrlichkeit vorüberging. Wann sagte Gott: „Ihr seid mein Volk“? Es geschah bei der Einführung des Gesetzes, als der alte Bund zwischen Gott und seinem Volk geschlossen worden ist. (weitere Bibelstellen: 3. Mose 26,14–20, 5. Mose 4,26, Jesaja 1,1–2)

John Lightfoot (1602–1675), Autor der vierbändigen Reihe „Ein Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Hebraica“, beobachtete, wie Himmel und Erde im Neuen Testament verwendet werden: 

Das Vergehen von „Himmel und Erde“ ist die Zerstörung Jerusalems und des gesamten jüdischen Staates … als ob der gesamte Rahmen dieser Welt aufgelöst würde.

Ergebnis:

Es gibt keinen Widerspruch in der Bibel. Die Aussage von Jesus und die Bibeltexte in den Briefen sagen das Gleiche. Die jüdische Volksmenge und seine jüdischen Jünger hatten Jesus’ Aussage völlig verstanden. Er gebrauchte die in seiner Kultur und seinem Umfeld bekannte und prophetische, symbolische apokalyptische Sprache „Himmel und Erde“ für den alten Bund.

Jesus sagte nichts anderes, als dass er das Gesetz erfüllt und das Gesetz solange nur Bestand haben wird, bis der alte Bund abgeschafft wird.

Manuel